02.01.2008

Ärzte helfen in Papua

Ärzte helfen in Papua
Der Augenarzt Dr. Reinhard Lehmann untersucht einen Patienten.

RP-Fotograf Detlef Ilgner begleitete drei Ärzte nach Papua Neuguinea. Professor Dr. Gunter Konrad, ehemaliger Chef der Kliniken Maria Hilf, die Zahnärztin Dr. Heike Scholtes und der Augenarzt Dr. Reinhard Lehmann operierten, Ilgner fotografierte. Von Inge Schnettler

Ab und zu hat er seine Kamera beiseite gelegt und am Operationstisch geholfen, er reichte Besteck an, Nadel und Faden oder hielt die Taschenlampe. „Aber hinter meinem Fotoapparat fühlte ich mich dann doch wohler“, sagt Detlef Ilgner, „vor allem, wenn die medizinischen Eingriffe ein bisschen ekliger waren.“

Die Kamera als Schutzschild und Filter, aber vor allem als Instrument, um das zu dokumentieren, was er im indonesischen Papua Neuguinea erlebte. RP-Fotograf Detlef Ilgner war zum dritten Mal in einer ganz fremden Welt.

Wie in den Jahren 2002 und 2003 begleitete er Ursula und Professor Dr. Gunter Konrad, den ehemaligen ärztlichen Direktor der Kliniken Maria Hilf. Diesmal gehörten die Zahnärztin Dr. Heike Scholtes aus Düsseldorf und der Mönchengladbacher Augenarzt Dr. Reinhard Lehmann mit zum Team um die Konrads. Die drei Mediziner behandelten ihre Patienten, Detlef Ilgner fotografierte.

Seine Bilder zeigen die deutschen Ärzte bei der Arbeit. In schlichten Räumen bei notdürftiger Beleuchtung, in unerträglicher Hitze und unvorstellbar hoher Luftfeuchtigkeit standen sie oft stundenlang am OP-Tisch. Unzählige verfaulte Zähne hat Heike Scholtes gezogen und eitrige Abszesse entfernt, während ihr Kollege Reinhard Lehmann im gleichen Raum entzündete Augen untersuchte und komplizierte Operationen durchführte.

Medikamente und ihr Gerät brachten die Ärzte aus Deutschland mit. „Die Krankenhäuser in Agats und Bayou haben natürlich nicht den Standard unserer Kliniken“, sagt Detlef Ilgner.

Eine einfache Stehlampe muss als Lichtquelle reichen, den Infusionsständer hat irgend jemand aus aus einem rostigen Moniereisen gebastelt, und so etwas wie einen Sterilisator oder ein Röntgengerät sucht man dort vergebens. „In Agats gibt es inzwischen eine Klimaanlage im Operationsraum“, berichtet Ilgner. „Und die lief sogar weiter, wenn das Licht eingeschaltet wurde.“ In Bayun liefert nach wie vor der Generator den Strom.

Die Patienten kommen meist in ihren Booten zum Krankenhaus. Aber nie allein. „Sie werden immer von Verwandten begleitet“, sagt Detlef Ilgner. Während der Operation sitzen die Familienangehörigen geduldig wartend auf dem Boden, oder sie stehen in der Nähe des OP-Tisches, um alles genau zu verfolgen. „Selbstverständlich bleibt die Familie so lange im Krankenhaus, bis der Patient entlassen wird“, sagt der Fotograf. Die innige Anteilnahme am Leid des geliebten Menschen hat er äußerst eindrucksvoll mit seiner Kamera festgehalten.

Professor Konrad bereist das indonesische Land seit 40 Jahren. Als Student der Ethnologie kam er erstmals in diese fremde Welt, die ihn seitdem nie wieder losließ. Als Arzt fand er die Möglichkeit, den Papuas zu helfen. Nach einem langen Arbeitstag schmerzt sein Rücken. „Der OP-Tisch ist nicht höhenverstellbar, Gunter Konrad steht viele Stunden mit gebeugtem Rücken voll konzentriert über seinen Patienten“, sagt Ilgner. Zeitweise assistieren ihm junge indonesische Ärzte, die auf der Insel ein praktisches Pflichtjahr absolvieren.

Der Fotograf will wieder nach Papua reisen. „Ich bin von dieser Insel und der ganz anderen Lebensweise fasziniert“, sagt er, „und ich möchte einfach sehen, wie sich das Land entwickelt.“ Und fotografieren - natürlich.

Quelle: RP

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